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Spotlight an!

In unserer Spielrunde kriselt es zurzeit ein bisschen. Nicht, dass sich Spieler streiten oder ähnliches, aber ein bisschen Frust ist in diversen Gesprächen oder Mails schon zu spüren. Und das ohne, dass man dafür besonders empathisch sein müsste.
Ich möchte den ganzen Konflikt jetzt hier nicht breittreten (gehört hier auch nicht hin), aber da ich schon länger mal wieder bloggen wollte, habe ich ja nun endlich ein gutes Thema. Auch wenn das niemand in der Gruppe so ausgedrückt hat, habe ich das Gefühl, dass es im Kern um Spotlight bzw. Charakternischen geht.
Also möchte ich darüber ein paar Worte verlieren. Im Vorfeld habe ich mich natürlich mal in der deutschen Blogosphäre umgeschaut, was andere Blogs bereits darüber geschrieben haben und war sehr überrascht, dass ziemlich wenig geschrieben wurde. Genau genommen habe ich grade mal zwei Podcasts gefunden, die sich mit dem Thema auseinandersetzten, aber keine ganzen Artikel. Klar wurde das Thema diverse Male erwähnt, aber immer nur mal eben am Rande.
Die Podcasts findet ihr zum einen bei System Matters aus dem Jahr 2010 und die Antwort dazu bei PiHalbe kurze Zeit später.
Beide beleuchten das Thema aus etwas unterschiedlichen Richtungen und ich werde auch meinen Senf noch dazu geben.

Was zur Hölle ist Spotlight?
Spotlights kommen in erster Linie in Theatern vor. Dort wird das Licht so bezeichnet, dass auf einen Charakter zielt, der gerade im Mittelpunkt steht. Der Blick des Zuschauers wird so zum wichtigen Punkt (Spot) auf der Bühne gelenkt und jedem sollte klar sein, dass das, was gerade im Spotlight passiert hier das wichtigste ist.
Im Fernsehen gibt es dieses Spotlight in dieser Form nicht, aber natürlich stehen dort auch immer mal wieder einzelne Charaktere im Mittelpunkt, wobei dies eher dadurch deutlich gemacht wird, dass grade auch nur diese Personen gezeigt werden. Erscheint mir deutlich einfacher als im Theater, dabei aber gleichwohl wirkungsvoller.
Beim Rollenspiel wird das ein bisschen schwammiger, weil sowohl der Charakter, als auch der Spieler im Mittelpunkt stehen können. Meist überschneidet sich das aber so stark, dass eine Unterscheidung wenig Sinn macht.
Ich würde so weit gehen, dass Spotlight-Szenen die Szenen sind, die einem so sehr in Erinnerung bleiben, dass man sie am nächsten Tag noch begeistert erzählt. Das ist sicherlich übertrieben, trifft aber den richtigen Kern.

Warum sollte ich mir über Spotlight Gedanken machen?
Ich glaube, dass es wichtig ist, dass jeder Spieler seine Zeit bekommt, seine 15 Minuten Ruhm, seine Möglichkeit zu glänzen, zu zeigen, was sein Charakter kann oder wer sein Charakter ist. Viele Spielleiter machen das wahrscheinlich sehr intuitiv und normalerweise klappt das, aber manchmal sind ein paar Gedanken dazu im Vorfeld nützlich, um bestimmte Situationen am Abend vielleicht besser einzubauen oder die Geschichte vielleicht ein bisschen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Denn Spotlight-Szenen machen Spaß und das ist wahrscheinlich immer noch der Grund, warum sich die meisten Gruppen treffen. Spaß haben ist gefühlt in jedem Regelwerk als goldene Regel enthalten und da ist was dran.

Wie setze ich denn einen Spieler ins Spotlight?
Dazu hat der Achim vom PiCast einige kluge Gedanken in seiner Sendung gesagt, aber ich würde einen anderen Ansatz wühlen. Ich würde die viel zitierten Spielertypen von Robin D. Laws benutzen (eine kleine Übersetzung findet sich hier). Robin D. Laws hat sich mal Gedanken dazu gemacht, wie man allen Spielern am Tisch in einer Sitzung Spaß bereiten kann und teilt dafür die Spieler in sieben Spielertypen auf, die man jeweils auf andere Weise besonders gut belohnen kann.
Bei der vorhin genannten Übersetzung stehen zu jedem Spielertyp einige Sätze, sowie die (ziemlich überspitzt formulierte) Erwartung des jeweiligen Spielers an einen Abend. Damit kann man schon viel anfangen. Ich fasse die Spielertypen kurz zusammen, da sie essentiell erscheinen:
1. Der Powergamer hat Spaß am Optimieren seines Charakters und will dies natürlich auch unter Beweis stellen, beispielsweise bei Kämpfen.
2. Der Butt-Kicker liebt Kämpfe. Dabei kann er mal so richtig die Sau raus lassen. Dabei sind die Werte etwas weniger wichtig, sondern mehr der Kampf an sich.
3. Der Tactican liebt die strategische Planung. Früher hätte ich pauschal behauptet, dass jeder Tactican gerne Shadowrun spielt ?
4. Der Specialist mag einfach einen bestimmten Charaktertypen. Und spielt diesen Typen auch gerne in jedem beliebigen Rollenspiel.
5. Der Method Actor möchte die Spielwelt vor allem aus der Sicht seines Charakters erleben. Regeln werden noch unwichtiger, der eigene Plot hingegen gewinnt an Wert.
6. Der Storyteller liebt Geschichten. Bei ihm sollte der Plot vor allem schlüssig sein. Regeln verkommen zur Bedeutungslosigkeit.
7. Der Casual Gamer ist einfach dabei, weil seine Freunde spielen. Er würde auch mit den anderen ins Kino gehen, aber heute ist nun einmal Rollenspielabend.
Natürlich sind die wenigstens Spieler (ich kenne keine fünf) wirklich ein Typ in Reinform. Jeder besteht eher aus einer Mischung aus den Typen und ich meiner Meinung nach schwankt das auch von Zeit zu Zeit. Trotzdem kann man viele Spieler mit zwei oder drei dieser Typen schon ganz gut einsortieren.
Das Einsortieren ist auch nicht schlecht oder abwertend gemeint, es ist eher eine Vereinfachung, die dem Spielleiter das Leben etwas leichter macht.
Ich gebe mal ein Beispiel. Ein guter Freund spielt seit einigen Jahren schon in diversen Runden mit mir. Mittlerweile kann ich ihn gut einschätzen und behaupte, dass er stark in die Richtung Powergamer und etwas weniger stark noch in die Richtung Storyteller tendiert. Die anderen Typen haben bei ihm auch mal so ihre Momente, aber ich denke, dass die beiden wichtigsten schon der Powergamer und der Storyteller sind.
Wenn ich spielleite, kann ich mir nun vorher Gedanken machen, ob ich an dem Abend eine Szene einbauen kann, in der dieser Spieler vermutlich sehr viel Spaß hat. Dies könnte ein Kampf sein, in dem er seine optimierten Kampfwerte zur Schau stellen kann, dies könnte aber auch eine Geschichte sein, an der er stark mitarbeiten kann. Das mache ich normalerweise eher selten, da ich oft keine Szenen für einen Abend vorbereite, aber ich versuche an dem Abend die Geschichte trotzdem so zu lenken, dass für jeden Spieler mindestens eine Situation dabei ist, in der er glänzen kann.

Woher weiß ich denn, was ein Spieler will, bzw. welche Typen in ihm besonders stark sind?
Zum einen kenne ich den Spieler nun schon eine ganze Weile, zum anderen kann ich einiges vom Charakterbogen ablesen. Meine bevorzugte Variante ist natürlich das Kennen des Spielers und oft hat man ein gutes Gefühl, in welche Ecke man einen Spieler stecken kann, ohne ihm damit Unrecht zu tun. Andererseits gibt es Spieler, mit denen man noch nicht so oft gespielt hat bzw. die man nicht so gut einschätzen kann. Da wäre ein anderer Weg, sich einmal den Charakterbogen näher anzusehen: Oft geben die Werte, die ein Spieler besonders gut ausgeprägt hat, einen starken Hinweis darauf, was der Spieler in diesem Spiel erwartet. Wenn ich beispielsweise jemanden habe, dessen Kampffertigkeiten eigentlich nicht vorhanden sind, der aber vor allem solche Fähigkeiten wie Nachforschungen, Heimlichkeit und Verhör hat, kann ich davon ausgehen, dass diesem Spieler weniger an vielen Kämpfen liegt, sondern mehr an detektivisch geprägten Abenteuern.
Das ist natürlich nur Hinweise und kein festgelegtes Schema, welches immer funktioniert. Aber es ist besser als nichts. Bei System Matters wurde der folgende Satz zitiert, den ich ganz großartig finde: „Das Charakterblatt ist der Liebesbrief des Spielers an den Spielleiter“ Großartig formuliert, da steckt eine Menge Wahrheit drin.

Ist das alles so einfach?
Nein. Leider nicht. Denn Spielspaß hängt sicherlich auch von anderen Aspekten ab, aber das Konzept der Spielertypen kann eine gute Stellschraube sein, mit der man mit wenig Aufwand viel erreichen kann. Und das ist auch lange nicht alles, wie man Spotlight vergeben kann. PiCast hat dazu einiges gesagt (steht auch in den Shownotes der oben genannten Folge) und ich möchte da einen Aspekt heraus greifen: Die Nische!

Nischen? Was soll das schon wieder sein?
Achim meint, dass Nischen eine verhältnismäßig schwache Form des Spotlights sind, ich persönlich halte Nischen für einigermaßen wichtig. Je nach Runde sind Nischen für Charaktere wichtiger. Ich glaube, dass Nischen Momente sind, in denen ein Charakter besonders glänzen kann und somit sich ein bisschen Spotlight sichern kann.

Unser Problem
Das Problem, dass bei uns gerade auftritt, ist, dass Nischen, die ein Spieler sich für seinen Charakter ausgesucht hat, im Endeffekt leider keine Nische mehr ist. In dem besonderen Fall sind das Kämpfe. Eigentlich wollte er quasi DER Kämpfer der Gruppe sein, aber leider sind einige andere Charaktere so gebaut, dass man bei ihnen kampftechnisch nicht mehr allzu viel optimieren kann und sie quasi mit in seine Nische springen. Und nun tritt nachvollziehbarerweise Frust auf. Ich denke, dass kann jeder nachvollziehen. Das da solche Sprüche wie „In dem System kann nun mal jeder kümpfen“ oder „Kampf ist die Essenz dieses Spiels“ nicht wahnsinnig hilfreich sind, steht da auf einem anderen Blatt. Nun ja, die Lösung, dass die anderen sich absichtlich in Kämpfen zurück halten ist sicherlich keine Lösung, aber nun ist es nun einmal so, dass die anderen nun mal auch sehr kampflastig gebaut sind. Der Drops ist also gelutscht. Was könnte da eine Lösung sein? Entweder man sucht sich andere Nischen oder das Abenteuer wird halt etwas kampflastiger. Ich persönlich tendiere ja zu zweiter Variante, da die anderen durch ihre Charaktere ja gezeigt haben, dass sie kämpfen wollen. Ist jetzt für mich etwas blöd, weil ich meinen Charakter absichtlich nicht so kampfstark gebaut habe, aber ich könnte trotzdem gut damit leben. Ich habe da nicht die riesigen Probleme mit, wenn mein Charakter ne Zeitlang nicht viel reißen kann, aber das ist nicht jedermanns Sache.
Ich bin sehr gespannt, wie sich das Ganze bei uns weiter entwickelt. Vielleicht könnte man ja bei zukünftigen Abenteuern mehr darauf achten, dass jeder seine Nischen hat und man ihm diese vielleicht lässt. Schon komisch, dass solche „Probleme“ auch noch in solchen langjährigen Runden auftreten.

Fazit
Versucht als Spielleiter jedem Spieler seine „15 Minuten Ruhm“ zu geben. Eine gute Möglichkeit sind die Spielertypen, aber es ist nicht die einzige. Versucht die Charakterbögen der anderen mal unter dem Gesichtspunkt der Nischen zu betrachten und schaut, ob ihr da nicht vielleicht Hinweise seht, was sich eine Gruppe wünscht.
Und betrachtet solche Tipps nur als Ideen. Man kommt auch ohne diesen ganzen theoretischen Kram aus.

#31tagequest tag 31

wer war der / die beste spielleiterinn, bei der du spielen durftest und warum?
ich wollte schon etwas darüber schreiben, dass ich bei ganz vielen schon einzelne sachen toll fand, aber in dem moment fiel mir ein, dass ich doch jemanden wirklich hervorheben kann.
auf einem der ersten wölkchen-cons habe ich mal unter einem sl gespielt, der wirklich super war. ich versuche mal aufzuzählen, was an ihm so gut war:
– die vorbereitung. wir haben nahezu perfekte charaktere bekommen. auf jedem charakterblatt standen die wichtigsten werte, der hintergrund (und zwar so, dass man damit rollenspieltechnisch etwas anfangen konnte), die kurzregeln und rollenspielhinweise.
– die schauspielerischen talente. ich weiß, dass man beim rollenspiel im endeffekt nicht beim theater ist, aber das, was der sl an dem abend hingelegt hat, könnte auch in einem laientheater vorgeführt werden. ich erinnere mich bis heute an seine stimme und seinen gesichtsausdruck, als er einen brückentroll verkörperte. und ich habe in der nacht von brückentrollen geträumt. das war absolute spitze.
– die ausgedachte geschichte. das ganze war eine wikinger-geschichte, die sehr mit der mythologie verknüpft war. alles notwendige dazu stand auf den charakterbögen und der ganze rest wurde so nebenbei erklärt, dass keine fragen aufkamen. die story hatte für alle spieler spotlight und genügend herausforderungen, dass wirklich jeder zum zuge kam.

leider habe ich den sl nicht wieder getroffen, noch weiß ich wer das war, aber ich nehme mir vor, mal ein bißchen was von ihm abzuschauen, denn das kann dem eigenen spiel nur helfen…